Dienstag, 28. November 2017

Auf der Suche nach Frischfleisch
Tipps für erfolgreiches Azubi-Marketing

Der Griff an die eigene Nase

„Wir würden ja gern junge Menschen ausbilden, aber wir finden einfach keine geeigneten Bewerber!“ Solche Sätze hört man sehr oft aus den Mündern der Unternehmer. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft werden die Schüler heute tatsächlich eher in Richtung höhere Bildung (sprich Studium) getrimmt.

Die IHK wirbt für das Thema Ausbildung
Trotzdem liegt es nicht nur am fehlenden Nachwuchs, dass die Bewerber ausbleiben. Greift euch also zuallererst an die eigene Nase, liebe Unternehmer, und überlegt euch, warum euch die Bewerber fehlen. Mangelhafte Ausbildungsbedingungen, Fehler in der Kommunikation oder ein einfallsloses Azubi-Marketing sind ebenfalls nicht zu unterschätzende Faktoren.

Die IHK Potsdam hat das Problem seiner Unternehmer erkannt und zum Thema Azubi-Marketing ein außergewöhnliches Projekt entwickelt. In diesem fungieren die „Schüler als Unternehmensberater“. Sie besuchen Brandenburger Firmen, analysieren die dortigen Gegebenheiten und übergeben den Firmenchefs als Ergebnis ein Konzept mit wichtigen Denkanstößen, um das eigene Azubi-Marketing zu verbessern.

Und genau da kamen wir ins Spiel. In Form von Workshops und Vorträgen haben wir die Schüler im Vorfeld fit für ihre Aufgabe als Unternehmensberater gemacht und ihnen das richtige Rüstzeug mit auf den Weg gegeben. Wir sind jetzt schon sehr gespannt auf die Ergebnisse!
In den folgenden Absätzen haben wir für euch, liebe Unternehmer, die wichtigsten Tipps für ein erfolgreiches Azubi-Marketing zusammengefasst.

Warum Azubi-Marketing?

Richtig gute Azubis sind Mangelware. Das habt ihr sicherlich alle schon bemerkt. Viele Absolventen beginnen nach der Schule direkt ein Studium. Momentan gibt es mehr offene Azubistellen als Bewerber. Als Folge hat sich ein richtiger Kampf um die besten Bewerber entwickelt.

Denn der fehlende Nachwuchs zieht einen ganzen Rattenschwanz an Problemen nach sich. Wenn sich keine jungen Menschen mehr ausbilden lassen, nimmt der Fachkräftemangel weiter zu. Unternehmen haben immer größere Probleme offene Stellen zu besetzen. Der Altersdurchschnitt nimmt zu. Bei den Firmenchefs genauso wie bei den Arbeitnehmern. Auch das Thema Unternehmensnachfolge ist davon betroffen.

Ihr seht also: Unternehmen müssen in Azubi-Marketing investieren, um in Zukunft am Markt bleiben zu können. Wer sich nicht jetzt um guten Nachwuchs bemüht, muss sich bald mit existenzbedrohenden Problemen auseinandersetzen.

Unternehmen mit Kultur

Der Spieß hat sich also umgedreht. Das Zurücklehen und Warten auf die zahlreichen Bewerbungen ist vorbei. Jetzt sind die Azubis in der angenehmen Position, sich den besten Arbeitgeber herauszupicken. Die nackten Fakten, wie Gehalt, Urlaubstage und Arbeitszeiten sind schon längst nicht mehr die einzigen Entscheidungsfaktoren.

Neue Mitarbeiter und Azubis wollen ein Unternehmen, das zu Ihren Wertvorstellungen passt und für die gleichen Ideale steht. Es geht darum, auf gleicher Wellenlänge mit dem Arbeitgeber zu sein und sich durch ihn vielleicht sogar zu profilieren.

In der Unternehmenskommunikation sollte also die Persönlichkeit, die Kultur oder das Leitbild immer eine zentrale Rolle spielen. So entsteht außerdem eine Alleinstellung und Abgrenzung zum Wettbewerb. Sprecht also öffentlich über eure Leidenschaften, Ansprüche, Werte und Ansichten. Wichtig ist aber, dass eure Kommunikation glaubwürdig und authentisch ist. Schönmalerei fällt euch ganz schnell wieder auf die Füße.

Ein toller Nebeneffekt: Es werden sich nur Leute bei euch bewerben, die sich von euren Ansichten angesprochen fühlen. Unpassende Bewerber sortieren sich so wie von selbst aus.
Entwickelt also ein Leitbild, eine Unternehmenskultur. Die eigenen Mitarbeiter können sich so viel eher mit eurem Unternehmen identifizieren. Im besten Fall entsteht dadurch auch ein Gemeinschaftsgefühl unter euren Leuten. Der Zusammenhalt wächst.

Zufriedene Mitarbeiter sprechen außerdem gern positiv über ihren Arbeitgeber und werden somit zu perfekten Botschaftern, die die Werte eures Unternehmens auch in der Öffentlichkeit vertreten.

Ein guter Ruf muss her

Als Unternehmer seid ihr Teil der öffentlichen Wahrnehmung. Ob ihr wollt oder nicht. Das sollte euch bewusst sein. Achtet also unbedingt darauf, was die Medien oder die Bevölkerung so über euch sagt. Ein schlechter Ruf wirkt sich nicht nur schlecht auf die Kundengewinnung, sondern auch auf die Gewinnung neuer Mitarbeiter aus.

Wer möchte schon gern für ein Unternehmen arbeiten, bei dessen Erwähnung alle Anwesenden plötzlich die Nase rümpfen?
Bei einem schlechten Image solltet ihr zuallererst auf Ursachenforschung gehen. Findet den Ursprung des Problems, dann könnt ihr es auch bekämpfen.

Zeigt öffentliche Präsenz, sucht den Kontakt zur Presse und engagiert euch für Themen, Vereine oder Einrichtungen, die euch am Herzen liegen. Außerdem solltet ihr Transparenz demonstrieren und es den Menschen ermöglichen, in eurer Unternehmen zu schauen. So schafft ihr es nach und nach eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu erreichen. Die perfekte Basis, um auf die Suche nach neuem Personal zu gehen.

Das wertvollste Gut

Mitarbeiter sind das wichtigste Gut eines Unternehmens und sollten auch so behandelt werden. Die Wertachtung der eigenen Leute sollte gelebt und kommuniziert werden. Das Thema Mitarbeiterförderung spielt dabei eine wichtige Rolle. Eure Angestellten sollten die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln und weiter zu qualifizieren. Das hat zwei Vorteile. Ein Unternehmen muss sich stetig entwickeln, um mit dem Marktgeschehen Schritt halten zu können. Denkt dabei zum Beispiel an das aktuelle Thema Digitalisierung. Durch Weiterbildungen für Mitarbeiter holt ihr frisches Knowhow ins Unternehmen.

Der zweite positive Effekt ist, dass eure Leute durch die Aufstiegsmöglichkeiten motivierter sind. Sie merken, dass es voran geht und ihre Leistung gebraucht wird. Sowas spornt unheimlich an.
Und was hat das jetzt alles mit den Azubis zu tun? Junge Menschen wünschen sich eine zeitgemäße und zukunftsfähige Ausbildung. Als modernes Unternehmen, das viel für seine Angestellten tut, macht ihr dann einen super Eindruck auf die Bewerber.

Die Wertschätzung der Mitarbeiter sollte sich natürlich auch auf eure Azubis beziehen. Leitet sie zu eigenverantwortlichem Arbeiten an, schenkt ihnen Vertrauen und gebt ihnen eigene Aufgaben und Arbeitsbereiche. Ihr solltet das Mitdenken eurer Angestellten belohnen und nicht bestrafen. Ansonsten formt ihr eure Leute zu kopflosen Robotern, die nur Dienst nach Vorschrift machen.

Die Auszubildenden müssen sich als Teil des Teams empfinden und nicht als Außenstehende. Gerade der Start kann da etwas holperig sein. Für die jungen Menschen beginnt mit der Ausbildung ein völlig neuer Lebensabschnitt. Oft sind sie das erste Mal weit weg von zu Hause und müssen ihr Leben plötzlich ganz allein bewältigen.

Als aufmerksamer Arbeitgeber solltet ihr die Eingliederung eurer Azubis so reibungslos  wie möglich gestalten. Bietet ihnen zum Beispiel Unterstützung bei der Unterbringung an oder erleichtert ihnen durch die Bildung von Fahrgemeinschaften den Weg zur Arbeit. Vielleicht zahlt ihr auch nur das ÖPNV Ticket. Möglichkeiten gibt es viele. Bietet euren Auszubildenden einfach an, dass sie sich gern an euch wenden können, wenn sie Fragen oder Probleme haben. Das schafft von Anfang an ein wichtiges Vertrauensverhältnis.

Kreativ, authentisch und verständlich

Bisher haben wir uns nur mit den Bedingungen in euren Unternehmen auseinandergesetzt. Jetzt wollen wir uns endlich auf das Thema Marketing konzentrieren.
Bei eurer Werbung um neue Auszubildende solltet ihr euch immer in die jungen Menschen hineinversetzen. Habt ihr bereits Auszubildende? Dann bezieht sie in eure Überlegungen mit ein und fragt sie nach ihrer Meinung!

Die wichtigste Zielgruppe überhaupt sind die jungen Menschen. Macht euch das bewusst. Natürlich haben die Eltern auch einen starken Einfluss auf die Berufswahl des Kindes. Begeht dennoch nicht den Fehler, euch nur auf sie zu konzentrieren. Die Eltern sind nur eine Mittlerzielgruppe.
Wählt eine Tonalität, die zu eurer Firmenphilosophie aber eben auch zur jungen Zielgruppe passt. Wollt ihr eher auf Seriosität und Vernunft setzen und mit einer zukunftssicheren Ausbildung werben? Oder wollt ihr eher jung und unkompliziert wirken und wählt eine Kommunikation die mehr spaßorientiert ist? Beide Wege können zum Erfolg führen. Wichtig ist nur, dass eure Kommunikation authentisch ist und zu eurem Unternehmen passt. Der Einsatz einer falschen Tonalität kann Imageschäden und Unglaubwürdigkeit verursachen.

Wählt auch eure Texte und Formulierungen mit Bedacht. Wählt eine Sprache die die Jugendlichen verstehen und erschlagt sie nicht sofort mit eurem Fachchinesisch. Macht eher deutlich, dass ihr euch in sie hineinversetzen könnt.

Wir empfehlen euch bei der Entwicklung eurer Werbemotive auf Kreativität zu setzen. Emotionen und Interaktion sorgen für eine nachhaltige Erinnerung beim Empfänger. Außerdem ist Kreativität hoch ansteckend. Wer ungewöhnlich wirbt, muss keinen hohen Werbedruck ausüben. Die Menschen, die ihr durch eure Werbung berührt, werden selbst zu Werbeträgern. Sie teilen ihre Erlebnisse mit Freunden, Bekannten und der Familie. Besonders kleine Unternehmen ohne großes Werbebudget, sollten kreative Werbung nutzen.

Bezieht in eure Überlegungen zum Azubimarketing auch die allgemeine Beliebtheit oder Unbeliebtheit von Berufsbildern mit ein. „Irgendwas mit Medien“ wollen alle machen. Aber wie schafft ihr es Berufe attraktiv zu machen, die weniger in den Köpfen der jungen Menschen sind?
Habt ihr eure Leitidee gefunden, geht es jetzt darum die richtigen Werbemittel zu wählen und diese sinnvoll zu platzieren. Denkt auch hier wieder an eure Zielgruppe. Welche Medien konsumieren junge Menschen? An welchen Orten kommen Sie zusammen? Wer nur klassische Anzeigen in der Tageszeitung schaltet, muss sich nicht wundern, kaum Beachtung zu finden. Welcher Jugendliche liest schon noch die Zeitung? Auf diesem Weg erreicht ihr höchstens die Eltern und Großeltern eurer Zielgruppe.

Eure Werbung sollte breit gestreut sein. Setzt auf einen Mix an Werbemitteln und –kanälen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Achtet aber auf den richtigen Einsatz der Werbemittel. Jedes Werbemittel erfüllt einen eigenen Zweck und hat spezielle Talente. Nutzt sie entsprechend ihrer Begabungen und versucht nicht, sie zu etwas zu machen, das sie nicht sind. Umso effektiver ist ihre Wirkung. Mehr dazu erfahrt ihr hier.
Und ein letzter Tipp: Alle relevanten Informationen zur Ausbildung müssen für die Azubis leicht zugänglich sein. Am besten auf eurer Website. (Beispiel: Stadtwerke Neuruppin)
 Aber bietet auch zeitgemäße Kommunikationswege an, wie Messenger.

Wir freuen uns, wenn wir den ein oder anderen von euch zum Umdenken anregen konnten. Sprecht uns gern an, falls ihr Fragen zu diesem Thema habt.

Eure perlenmädchen